Ob vor Ort, an der Quelle des Entstehens, oder im vorliegenden virtuellen Katalog – es gibt viel zu entdecken in der Kunsthochschule Kassel. Spannende Arbeiten aus allen Studiengängen sind zu besichtigen und viele neue Gesichter kennenzulernen.
2011 werde ich meinen ersten Rundgang der Kunsthochschule Kassel als neuer Rektor erleben. Ich bin sehr neugierig, das gesamte Know-how und Potenzial an Experimentierfreude und Professionalität in Lehre und Studium im Rahmen der großen Jahresausstellung ausloten zu können.
Ich freue mich darauf, Sie persönlich zu begrüßen – die Studierenden, Lehrenden, die Leiter/innen und Mitarbeiter/innen der Studienwerkstätten sowie die vielen lokalen und weit angereisten Besucher/innen. Wir hoffen, Sie in Zukunft nicht nur einmal im Jahr zum Rundgang begrüßen zu können. Zusammen mit den hoch motivierten Lehrenden und Studierenden werden wir für zahlreiche Anlässe sorgen, damit Sie uns häufiger in der Kunsthochschule Kassel besuchen. Der Rundgang 2011 soll Auftakt sein zu einer neuen Phase der Öffnung und des Austauschs. Langjährige Erfahrung in der Lehre, frische Ideen und neue Gesichter – die Kunsthochschule Kassel hat viele Eisen im Feuer.


Christian Philipp Müller
Rektor der Kunsthochschule Kassel

 

 

 

 

Die Kunsthochschule Kassel versteht sich als Ort künstlerischer Auseinandersetzung und Produktionsstätte. Das gilt selbstverständlich für die Studiengänge Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation und Produkt Design, aber auch in hohem Maße für die Kunstpädagogik und für eine Kunstwissenschaft, die in eine Kunsthochschule integriert ist. Voraussetzung dafür ist, das Studium als ständiges künstlerisches Handeln zu verstehen, und das Bedürfnis zu haben, als Easy Rider statt im Dienstwagen in Freiheit und vollem Risiko sein Leben fahren zu wollen. Studieren an der Kunsthochschule Kassel heißt nicht, einen bestimmten Beruf zu lernen, sondern Fähigkeiten zu entwickeln, sich in (verschiedenartigen) künstlerischen und gestalterischen Berufen professionell zu formulieren.

 

Authentisches Verhalten ist deshalb die Schlüsselformel für das Lehr- und Lernverständnis an der Kunsthochschule. Das klingt so einfach, dass man meinen könnte, es gar nicht studieren zu müssen – oder zu können. Denn wie authentisch kann jemand sein, dessen Kopf täglich mit apodiktischen Bildern und Produkten vollgestopft wird und dessen Orientierung vom Straßenverkehr bis hin zum Geschlechtsverkehr geregelt zu sein scheint? Wie unbelastet und unbefangen kann jemand sein, für den die Kunstgeschichte ein aufgeschlagenes Buch ist, voller erfolgreicher Bilder und Theorien? Wie dreist und selbstbewusst muss er sein, in dieser Kenntnis weitere und eigene Bilder und Produkte, Konzepte und Theorien zu entwerfen? Und nicht zuletzt: Wie politisch muss er sich verstehen, wenn er mit dem Ergebnis seiner Arbeit nicht einfach nur ein neues Produkt ins Verkaufsregal stellen will, sondern in seine gesellschaftliche Wirklichkeit und die der anderen versucht einzugreifen?

 

Künstlerische Prozesse sind ihrem Wesen nach nicht lehrbar, man kann nur Situationen schaffen, in denen sie möglich werden, sie sind nicht lernbar, man kann sie nur initiieren. So gibt es kaum ein absurderes Studium als das einer Kunst und Gestaltung, die sich weder als bildend noch als angewandt versteht. Würde sie solche Aufträge annehmen, könnte man sie vielleicht auch bestimmen und messen. Hier aber soll etwas studiert werden, das aus einer Freiheit entsteht. Das, was entwickelt werden soll, muss Unabhängigkeit und Selbstbestimmung in sich bewahren, muss Autonomie behaupten, so wie es die Kunst und jedes innovative Verhalten in der Gestaltung für sich tut. Es ist der Eigensinn, den die Ergebnisse dieser Arbeit nachweisen müssen, wenn sie aktuell und relevant sein wollen – und geschützt von der Garantie der Freiheit der Kunst im Grundgesetz.

 

Mit der Freiheit im Rucksack war und ist die Kunsthochschule schon immer – und wie wir feststellen müssen: zunehmend mehr auch in der Universität – ein widerständiger Genosse. Lehr- und Lernmethoden unterscheiden sich an vielen Stellen kategorisch und machen andere Arbeitsformen und Zeiten notwendig als in einem geregelten (universitären) Betrieb möglich sind. Die Ergebnisse sind nicht kompatibel mit ökonomischem Denken oder Maßstäben „gesicherter Wissenschaft“. Über Module linearisiertes Lernen macht in einem Studium nonlinearer Prozesse keinen Sinn. Das Scheitern als kreatives Potential über Notengebung auszutreiben, kann sich Kunst und Gestaltung einfach nicht leisten.

 

In der Kunst werden also keine Aufgaben gestellt, denn man kann sich für künstlerische Prozesse nicht aufgeben sondern muss sich einbringen. Sich so zu definieren heißt, sich im wörtlichen Sinne zu vergegenwärtigen, d.h. aus der Auseinandersetzung mit Geschichte und gleichzeitig aus der Zukunft heraus zu handeln. Künstlerische Arbeit ist in diesem Verständnis immer Forschung, ist „die Suche nach dem Sinnzusammenhang“ (Titel einer Lehrveranstaltung von Urs Lüthi), ist Auftritt und Eingriff in dem widersprüchlichen Verhältnis von Persönlichkeit und Öffentlichkeit („if it’s me, ist’s not me“ überschreibt Mathilde ter Heijne ihren jüngsten Katalog) und mit viel Glück auch Erfolg („How to Star“, so Rob Scholte oder „Egosolo“, Oliver Vogt).

 

Der alljährliche Rundgang ist das Forum, auf dem sich die Studierenden mit Ihrer Produktivität und Produktion, mit ihrem Selbstverständnis und ihren Positionen der internen wie der externen Öffentlichkeit stellen. Anspruch und Wirklichkeit kann hier überprüft und in den Wind des Marktes gestellt werden. Rundgang ist deshalb Nabelschau, Nagelprobe und Bauchtanz zugleich, eine riesige Ausstellung und nicht zuletzt das ultimative Datum, sich und die Kunsthochschule zu feiern.

 

Bernhard Balkenhol

Leiter des rundgang 2011

 

 

 

 

Der Rundgang ist der alljährliche Höhepunkt und die wohl geschäftigste und intensivste Arbeitsphase des Studienjahres. Die Phase der Rundgangsvorbereitung und -durchführung fordert die Studierenden heraus, ihre Auseinandersetzungsprozesse öffentlich zu machen und sie so zur Diskussion zu stellen. Somit ist die Jahresausstellung eine Gelegenheit, aus der Verschwiegenheit der eigenen Arbeitsprozesse, die sonst im Rahmen von Diskussionen innerhalb der Klassen und Gruppen von Mitstudierenden diskutiert werden, herauszutreten.

 

Mit der jährlich wechselnden Rundgangsleitung verändern sich auch die Herangehensweisen. Die Komplexität des Rahmens, die von der Organisation ausgeht, gibt dabei die Haltung vor, mit der sich die einzelnen Klassen und Projekte vorbereiten. So verließen die Studierenden im Jahr 2009 die Produktionsstätte Kunsthochschule, um verschiedene Ausstellungsorte in Kassel zu beziehen. Im vergangenen Jahr übernahm eine Gruppe engagierter Studierender die Leitung des Rundganges und justierten die Maßstäbe für die Präsentation der Arbeiten neu; sie bezogen sich wieder explizit auf die Kunsthochschule als Arbeitsbereich.

 

In diesem Jahr wird sich die Kunsthochschule in einem ähnlichen Licht präsentieren. Sie wird nicht 'auf Knopfdruck' anlässlich der Jahresausstellung zu einer Galerie oder einem Museum umgebaut, sondern als Ort verstanden, an dem künstlerische, wissenschaftliche und gestalterische Ideen, Konzepte, Haltungen und Positionen erarbeitet und (zwischen-)präsentiert werden.

 

Was in den Ateliers und Werkstätten gezeigt wird, ist demnach nicht notwendigerweise 'fertig', 'abgeschlossen' und 'definitiv', sondern größtenteils formgewordenes Wahrnehmen und Denken. Daher ist der Rundgang auch keine Veranstaltung zur Profilierung Einzelner oder zur Etablierung von marktkonformen, 'klassenbesten' Positionen, sondern in erster Linie ein Fest. Hier feiern Lehrende und Studierende gemeinsam ihr erfolgreiches Studienjahr und die Möglichkeit, untereinander und mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen.

 

Jens Ertelt

Studierender Kunstpädagogik

 

 

 

 

Wie sieht die Arbeit im studentischen Alltag an der Kunsthochschule aus? Erste Schritte der Studenten werden an der KHS Kassel in den Studiengängen Freie Kunst, Design und Visuelle Kommunikation in den jeweiligen Basisklassen gemacht. Hier können „die Neuen“ kennen lernen, welche Möglichkeiten ihnen die Kunsthochschule bietet, und herausfinden, welchen Interessen sie daraufhin nachgehen wollen. Jeder findet nach und nach entsprechend seiner künstlerischen und gestalterischen Haltung eine Klasse oder ein Projekt. In den Atelier-, Projekt- und Arbeitsräumen werden wir Studierende gemeinsam oder allein künstlerisch und gestalterisch aktiv. Dabei erkundet jeder einzelne im Lauf des Studiums seine persönliche Arbeitsform. Wo er seine Vorhaben realisiert, ob im Atelier, im öffentlichen Raum oder in den verschiedenen Werkstätten, hängt wieder von den individuellen künstlerischen Zielsetzungen ab.

 

Auch der Weg von der Bibliothek in die Mensa oder das gemeinsame Grillen im Innenhof entpuppen sich als potenzielle Brutstätten künstlerischer Ideen und Vorhaben. Ein Vorteil dieser Freiheit in der Herangehensweise sind die vielfältigen Diskussionen, die sich über die Arbeiten unter den Studierenden ergeben. Sie finden somit nicht nur zum Rundgang, sondern ununterbrochen innerhalb der Kunsthochschule statt. Durch dieses Miteinander lernt man daher während des Studiums mindestens so viel von Mitstudierenden wie von den Lehrenden. Doch bei aller Auseinandersetzung innerhalb der Kunsthochschule verschließen wir uns nicht vor dem Leben außerhalb. Exkursionen wie auf die Biennale nach Venedig, die Möbelmesse nach Mailand oder zu verschiedenen Ausstellungen und Messen innerhalb Deutschlands stellen immer wieder Höhepunkte dar.

 

Als Studierende der Kunstpädagogik befinde ich mich mit Studierenden der Studiengänge Freie Kunst und Visuelle Kommunikation im Atelier, in den Seminaren sitze ich mit Kunstwissenschaftlern, und durch einen Mitbewohner erfahre ich, was im Studiengang Produktdesign passiert. Es öffnet sich nicht nur für mich, sondern für alle interessierten Studierenden der Kunsthochschule ein interdisziplinäres Feld und es ist keine neue Erkenntnis, dass ein vielfältiger Input die Qualität des Outputs steigert. Die Kunsthochschule bietet für uns den Raum, dies auszunutzen. Wenn der Mut da ist, sich ab und an in ungewisse Situationen zu begeben, vielleicht sich sogar neu zu (er)finden, haben alle an der Kunsthochschule die Möglichkeit zu wachsen, zu lernen und eine gute Zeit zu haben.

 

Lisa Kroener

Studierende Kunstpädagogik

 

 

 

 

Bei allabendlichen studentischen Treffs kommt es im Laufe des Gesprächs irgendwann zu der Frage: „Und, was studierst du so?“ Antwort: „Kunstwissenschaften auf Bachelor.“

 

Dein Gesprächspartner hält dich jetzt für einen Künstler, worauf du enttäuschend entgegnest, dass du mit künstlerischem Arbeiten in den Ateliers der Kunsthochschule nicht viel zu tun hast. Verwundert gerät dein Dialogpartner ins Schwimmen, da ihm nun völlig unklar ist, was in diesem Studiengang denn nun eigentlich gelehrt wird: „Äh, also Kunst und Wissenschaft?“

 

Offenbar zeigt schon die Bezeichnung „Kunstwissenschaft“, wo hier die Problematik liegt: Lassen sich Kunst und Wissenschaft gleichzeitig studieren? und lässt sich das kunstwissenschaftliche Studium an der Kunsthochschule (KHS) und das des Nebenfachs an der Universität miteinander verbinden?

 

Wie ein Ball, der ununterbrochen von zwei Parteien hin und her getreten wird, wechseln die Studierenden zwischen Kunst und Wissenschaft, pendeln zwischen den zwei Standorten Kunsthochschule in der Aue und dem Holländischem Platz.

 

Die Erwartungen an den Studiengang sind so unterschiedlich wie nur denkbar. Während die einen breites Interesse an der Kunst hegen, ohne sie selber produzieren zu wollen, haben andere genaue Zukunftspläne, wollen Kunstkritiker, Journalisten, Galeristen, Kuratoren werden oder in die Forschung gehen. Wieder andere wollen sich noch nicht genau festlegen, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten, z.B. ob sie in die Praxis oder in die Theorie gehen wollen, und erhoffen sich von dem Studium eine Antwort. All diese unterschiedlichen Ansprüche und Erwartungen adäquat zu erfüllen, ist eine hohe Herausforderung an den Studiengang Kunstwissenschaft. Aus unserer Sicht kommt in der jetzigen Struktur die praktische Erfahrung mit Formen künstlerischer Arbeit zu kurz. Wir wünschen uns mehr Kontakt und Zusammenarbeit mit den Studiengängen Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation oder Produkt Design, damit wir Einsicht nehmen können in die möglichen Arbeitsfelder eines Kunstwissenschaftlers.

 

Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass die Prüfungsanforderungen das Studium strukturieren, und nicht die fachlichen Interessen und die tatsächliche Auseinandersetzung.

 

Unsere persönliche Erfahrung mit dem bisherigen Studium ist, dass die Moderne und vor allem die zeitgenössische Kunst zu kurz kommen. Natürlich gehört das Studium der klassischen Kunstgeschichte unabdingbar zur Kunstwissenschaft. Wenn jedoch die KHS in der documenta Stadt mit dem Schwerpunkt der Gegenwartskunst wirbt, sollte das aber auch umgesetzt werden. So muss der Studierende es als Herausforderung betrachten, aus eigener Initiative den Dialog zu den künstlerischen Studiengängen der KHS zu entwickeln.

 

Es ist ein seltsam widersprüchliches Unifeeling, wenn selbstbestimmte Organisation des Studiums und eigenständiges Arbeiten in den Studiengängen der Kunsthochschule auf Bologna, wenn Selbstständigkeit auf Modularisierung, Interesse auf Anwesenheitsliste, Majetschak auf HISPOS, Wissenschaft auf Kunst trifft. Statt also sich hin- und her schießen zu lassen, sollte man den Ball selbst spielen.

 

Louisa Beck-Mast, Anne Hanke, Carla Schäfer

Studierende Kunstwissenschaft

 

 

 

 

An der Kunsthochschule Kassel findet zurzeit eine große Erneuerung des Personals statt. Fast ein Viertel der Professorenschaft wird neu besetzt, davon vier (von neun) im Studiengang Bildende Kunst. Das Rektorat der Kunsthochschule und auch die auslaufende Stelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit werden ebenfalls neu besetzt. Im Wintersemester 2010/11 betraf das auch meine Klasse: Die offene Stelle wurde nur durch eine halbe Vertretungsprofessur besetzt. Es hieß, dass schon im Sommersemester der große Wechsel an der Kunsthochschule stattfinden wird. Die Berufungskommissionen hatten Künstler/innen mit interessanten Positionen ausgewählt, und ich freute mich auf einen Neuanfang. Doch es kam anders.

 

Die aufgestauten Konflikte zwischen Kunsthochschule und Universität hatten zum Rücktritt der beiden stellvertretenden Rektoren geführt, der allerdings nicht angenommen wurde. Die abgeschlossenen Berufungsverfahren wurden vom Präsidium der Universität aus unterschiedlichen Gründen nicht akzeptiert, sodass die Professuren nicht besetzt werden konnten. Die Rektorenstelle war aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens auf unbestimmte Zeit blockiert. Das Verhältnis zwischen Kunsthochschule und dem Präsidium war nur noch konfrontativ. Dadurch schien der ja nur teilautonomen Kunsthochschule keine Option zum Handeln mehr offen zu stehen. D.h., die mangelhafte Lehrsituation in meiner Klasse sollte sich also nicht ändern.

 

Ich stellte mir die Frage: Akzeptiere ich die Situation und haue ich einfach aus Kassel ab oder versuche ich irgendwas zu ändern? Aber wie?

 

Zunächst sammelte ich Unterschriften mit der Forderung an das Präsidium der Universität Kassel, alle vakanten Professuren der Bildenden Kunst umgehend zu besetzen. Ich fand Unterstützung in allen betroffenen Klassen. Weil wir keine Veränderung oder Zugeständnisse erwarten konnten, blieb uns nur der Weg, mit einer Demonstration an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wendete mich an die Fachschaft, den ASTA und die Medien. Mit zwei Studentinnen aus meiner Klasse, Marina Rüdiger und Astrid Lange, organisierten wir die Demonstration.

 

„Die Kunst packt ihre Koffer“ lautete das Motto der Demo, unter dem sich ca. 100 Studierende von der Stadt Kassel und der Universität verabschieden wollten. Es beteiligten sich Studierende aus allen Studiengängen der Kunsthochschule. Nicht nur aus dem der Bildenden Kunst. Durch die Berichterstattung der HNA, von RTL Fernsehen und Radio und dem HR wurde die Öffentlichkeit auf unsere Anliegen aufmerksam. Als die Demonstration vor dem Hauptgebäude des Präsidiums am Holländischen Platz ankam, stellte sich der Präsident, Herr Prof. Postlep unseren Forderungen. In der erhitzten aber doch sachlichen Diskussion wurde uns zugesichert, dass die Professuren mit den von uns unterstützten Kandidaten (in der Bildenden Kunst) besetzt werden sollten. Auch in der Rektorenfrage wurde Besserung versprochen. Da es noch viele offene Fragen gab, bot der Präsident an, zu uns Studierenden in die Kunsthochschule zu kommen. Sollte sich jetzt alles bewegen?

 

Als Konsequenz gründete ich mit anderen Studierenden der Bildenden Kunst (vor allem Theresa Rieß, Michael Gärtner und Erik Schäfer) die Studenteninitiative FKK (Freie Kunst Kassel). Unser Ziel war es, unsere Studien- und Lehrsituation unmittelbar zu verbessern. Zwar gab es bei der Demo ein großes Gemeinschaftsgefühl, jedoch bisher keine Veranstaltung, die uns klassenübergreifend zusammengebracht hätte. Deshalb organisierte die FKK eine Vorstellung der neuen Professoren Florian Slotawa, Mathilde ter Heijne, Johannes Spehr und Ella Ziegler, die nun doch zum Beginn des Sommersemesters ihre Arbeit beginnen konnten. Beide Veranstaltungen wurden außerordentlich gut besucht. Auch wenn inzwischen Christian Philipp Müller als neuer Rektor designiert war und erste Kontakte mit den Studierenden und Lehrenden aufgenommen hatte, sahen wir weiterhin die Notwendigkeit für das anvisierte Treffen der Studentenschaft mit dem Präsidenten.

 

Allerdings, um gegenüber dem Präsidenten einheitlich auftreten und argumentieren zu können, müssten wir wissen, welches Selbstverständnis, welche Vorstellungen und Wünsche wir als Studierende an der Kunsthochschule haben. Da wir in der Bildenden Kunst das größte Defizit in Fragen der grundsätzlichen Ausrichtung des Studiengangs sahen, schlugen wir vor, mit uns anzufangen. Trotzdem waren alle Studierenden, Professoren und Mitarbeiter der Kunsthochschule eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Ich hoffe jetzt, dass wir Studierende aller Studiengänge und auch die Fachschaft dafür gewinnen können.

 

Unabhängig davon hat der neue Rektor angekündigt, ein Symposium zu initiieren, auf dem über das bisherige Selbstverständnis der Kunsthochschule nachgedacht werden soll und Perspektiven für die Zukunft entwickelt werden können. Es bleibt abzuwarten, was sich letztendlich ergeben wird. Aber ich denke, man kann schon jetzt behaupten: Ich habe zum ersten Mal den Eindruck, dass es voran geht. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Koffer nicht wieder packen müssen, und dass deutlich wird, dass und warum die Kunsthochschule Kassel ein besonderer und guter Studienort ist.

 

Christian Ferschl
Studierender Bildende Kunst / Fachschaft